Balkonsternwarte

Aktueller Entwicklungsstand:

Meine Balkonsternwarte hat die Koordinaten
50°41'02" N, 12°28'19" O, Höhe 340 m ü.NN.

Ich nutze einen Dachbalkon, der einen einigermaßen erträglichem Himmel in Richtung Süd bis West hat. Der Balkon liegt 6 m hoch in einem locker bebauten Altbaugebiet in Zwickau-Planitz.

Auf einer verzinkten Stahlsäule, die mit dem Betonboden des Balkons fest verschraubt ist, befindet sich eine EQ6 SynScanPro, die das Hauptinstrument, einen 12"/f5-Newton mit Crayfordauszug trägt.

Als Leitrohr dient ein Refraktor 80/500, der starr mit dem Newtontubus verbunden ist. An dessen Okularende sitzt ein Kreuzschlitten, der es ermöglicht, einen geeigneten Leitstern auf einer Himmelsfläche von 5° Durchmesser zu finden. Nachführkamera ist meist eine TouCam 840K, wahlweise eine Atik-Titan.
Geguidet wird mit PHD + CdC. 
Eine SPC 900 hinter einem Biotar 1,5/75 ist parallel zum Leitrohr angebracht und dient als elektronischer Sucher.

Die für die Steuerung nötige Elektronik steckt in einer Steuerbox unterhalb des Newtontubus. Diese steuert EQ6, Leitrohr-Kreuzschlitten und Crayford-Fokussierung. Ein USB-Hub in der Steuerbox sorgt für den Kontakt von EQ6, EOS 60Da und Webcams mit dem Rechner.
Das zentrale Netzteil am Säulenfuß liefert alle benötigten Kleinspannungen (EQ6-Antrieb, EOS 60Da, USB-Hub, Crayfordantrieb, Kreuzschlittenantrieb, Spiegellüfter, Heizungen für Hauptspiegel und Taukappen.
Die gesamte Steuerung erfolgt - zum Teil mit Spezialprogrammen von Reinhard Beitz - vom Rechner im benachbarten Bodenraum aus. Ein Netzwerkkabel verbindet Rechner und Steuerbox.

Aufnahmekameras sind eine EOS 60Da, eine Atik-Titan sowie eine SPC 900.
Sollen größere Bereiche fotografiert werden, können verschiedene Fotoobjektive (18 mm bis 500 mm) huckepack eingesetzt werden. Alle längerbrennweitigen Objektive haben einen Eigenbau-Motorfokus, der ebenfalls vom Rechner aus bedient werden kann.

Ohne die vielen Ideen meines leider viel zu früh verstorbenen Freundes Reinhard Beitz und ohne seine unermüdliche Mithilfe wäre diese Ausbaustufe nicht erreichbar gewesen!

 

 

Hauptinstrument auf EQ6 SynScanPro im Dezember 2016.

 

 Wie alles begann:

 

 

Den Anstoß für eine eigene Beobachtungsstation gab die Sonnenfinsternis vom 29.3.2006, die eine Gruppe von Mitgliedern des Fördervereins der Schulsternwarte in Antalja beobachten wollte.
Jeder Teilnehmer musste dabei für sich beantworten, mit welcher Ausrüstung er dieses Ereignis dokumentieren wollte.

Im Laufe der Vorbereitungen ergab sich für mich folgende Reiseausrüstung:
Eine Lidl-Montierung Astro 3 mit Nachführung in Rektaszension auf einem Alu-Stativ, darauf eine selbstgebaute Doppelschiene für ein Pentacon 4/300, das mit afokaler Projektion und einer Ixus 500 Einzelbilder liefern sollte, sowie parallel dazu ein Telemegor 5,6/180 mit einer dahinter angebrachten TouCam 840K für einen Zeitrafferfilm. Ein Laptop mit externer Stromversorgung komplettierte das Ganze.

Diese ganze Ausrüstung musste in nur einem Koffer Platz finden!

 

Nach erfolgreicher Beobachtung und Dokumentation der Sonnenfinsternis - die Ergebnisse sind auf der Webseite zu finden - wuchs der Appetit auf mehr.

  SoFi-Ausrüstung für Antalja  
 

Bei der Weiterverwendung der SoFi-Ausrüstung daheim auf meinem Dachbalkon ergab sich sehr bald die Notwendigkeit einer exakt reproduzierbaren Stativaufstellung, damit nicht vor jeder Beobachtung wieder erneut gescheinert werden musste. 

Als praktikabel erwies sich eine feste, T-förmige Balkenunterlage mit 3 Bohrungen, in denen die Stativfüße immer wieder an der gleichen Stelle ihren Platz fanden.

Es reichte nunmehr, das unverändert zusammengeklappte Holzdreibeinstativ wieder in die Löcher der Balkenunterlage zu stellen und der Justierzustand der letzten Beobachtung war wieder einigermaßen genau erreicht.

 
    Astro 3 mit Refraktor 70/700 und Pentacon 4/300.

 

Schon nach wenigen Monaten war in mir der Wunsch übermächtig geworden, ein "richtiges" Fernrohr auf einer "richtigen" Montierung zu besitzen.

Im November 2007 machte ich mir vorzeitig mein größtes Weihnachtsgeschenk: Einen 12"-f:5 Dobson von GSO und fast gleichzeitig eine parallaktische Montierung, eine EQ6 SynScanPro, die dieses Gerät auch zu tragen vermochte.

Jetzt musste schleunigst ein wirklich stabiler Unterbau dafür her.
Im Internet fand ich Bilder von der Woodmastermontierung, die mich sofort faszinierten und zum Nachbau anregten. Parallel dazu hatte ich bei Dieter Martini passende Rohrschellen für den Newton bestellt und auch prompt erhalten.

Am 28.11.2007 stand das neue Instrument mit nagelneuer EQ6 auf seiner neuen Woodmaster-Montierung und hatte sein "First Light"!

Nun wurde eifrig beobachtet und experimentiert, auch andere Optiken kamen auf der EQ6 zum Einsatz, z.B. wurden mit dem Coronado PST 40 der Schulsternwarte Protuberanzenaufnahmen gewonnen.

  Newton vor dem First Light.  

Sehr bald stellte sich aber heraus, daß der ständige Transport von Newton und Montierung rein und raus, das ständige Wechseln zwischen warm und kalt sowie das regelmäßige und unausweichliche Justieren keine Dauerlösung bleiben konnte.

Es musste eine feste Säule her und natürlich auch eine leicht zu handhabende Abdeckung. Also ging das Bauen erneut los.
Im Dezember 2008 war auch das geschafft.

Eine fest mit dem Betonfußboden verschraubte Säule mit Ablagetisch trägt die EQ6, die ihrerseits den Newton trägt.

Rechts im Bild wartet die fahrbare Schutzhütte.

 
    12“-Newton mit abgefahrener Schutzhütte.

 Die Schutzhütte rollt auf vier Sesselrollen.

Ein V-förmiger Ausschnitt im Hüttenboden greift unter den Ablagetisch an der Fernrohrsäule und dient damit als Sturmsicherung.

Zusätzlich gibt es noch drei Spannbänder, die bei stürmischem Wetter die Schutzhütte vor seitlichen Ausschlägen bewahren.

  Gleich ist das Instrument wieder gut “behüttet“.  

In den folgenden Monaten gab es immer wieder Änderungen, die den Umgang mit Instrument und Montierung verbessern halfen.
Ziel: Das Instrumentarium sollte letztlich komplett vom Rechner im Dachboden aus bedienbar werden.

Im Bild ist neben der externen Stromversorgung der EOS 400D über Netzteil ein selbstgebauter Motorfokussierer am Crayfordauszug zu sehen.
Zu erkennen ist auch die weitere Verkabelung der EOS (Fernauslösung und Bildübertragung). Sie führen zur Steuerbox und von dort zum Laptop im Bodenraum.

Voraussetzung für das Funtionieren dieser "Fernbedienung" waren nicht zuletzt die maßgeschneiderten Programme von meinem Freund Reinhard Beitz.

 
    Fertig zum Fotografieren.
  Eine gute Langzeitaufnahme ist zwingend mit Guiding verbunden. Notwendig für das Guiding ist ein justierbares Leitrohr.

Bei der Variante von August 2009 wurde das Leitrohr zunächst mit Hilfe der beiden langen Stellschrauben visuell auf den Leitstern ausgerichtet.
Anschließend wurde das Okular gegen die TouCam ausgetauscht und das Guiding mit PHD konnte beginnen.

Bei zenitnahen Objekten war das Ausrichten eine ziemliche Bodenakrobatik. Deshalb war absehbar, dass das nicht die letzte Variante sein würde.
Leitrohr 80/500 mit TouCam.  

Im August 2010 begann endlich der Traumurlaub eines jedes Amateurastronomen: Eine Urlaubsreise nach Namibia!

Monatelang wurde vorbereitet und immer wieder geprobt. Endlich war alles startklar.

Das Reise-Equipment:
Reisemontierung AstroTrac 320X mit EOS 400D, dazu wahlweise
EF-S 18-55, Sonnar 3,5/135 und Rubinar 4,5/300.

Im Bild zu erkennen sind die beleuchtete Visiereinrichtung, Taukappenheizung, Fernfokussierer des Rubinar sowie die mit USB, 7,2V DC  und Fernauslöser dreimal verkabelte EOS 400D. 

Alle Kabel von der Kamera, vom Fokussierer und von der AstroTrac enden am Stativ in der braunen Tasche, die die Steuerbox (das Werk von Reinhard Beitz) und die Akkus für die Stromversorgung von AstroTrac und EOS enthält. Von dort zum Laptop läuft nur ein einziges USB-Repeaterkabel. - Optimal!

 
    Alles klar für Namibia.

Die Spiegeloptik des Rubinar 4,5/300 ist ziemlich temperaturempfindlich. Also muss bei fallenden Nachttemperaturen immer wieder nachfokussiert werden.
 
Eine Bahtinov-Maske ermöglicht dabei eine wesentlich exaktere Fokussierung.

Die astronomischen Ergebnisse dieser Reise sind in der Galerie zu sehen.

 Bahtinov-Maske  

         Aktueller Zustand der Balkonsternwarte:

Dieses Bild zeigt den geöffneten Zugang zum Dachbalkon und die abgefahrene Schutzhütte, deren abgenommene "Tür" links auf der Dachfläche liegt.

Hinter dem nur teilweise sichtbaren zweiten Dachfenster neben der Türöffnung befindet sich der Schreibtisch mit dem Computer-Arbeitsplatz.

Der Aufbau der Zusatzgeräte am Newton hat sich inzwischen weiter verändert. Das Leitrohr ist nun starr mit dem Newtontubus verbunden, das Aufsuchen des Leitsternes erfolgt durch Verschieben des Okularendes des Leitrohres mit Hilfe eines Kreuzschlittens, der vom Rechner aus positioniert werden kann. Damit steht ein Suchfeld mit etwa 5° Durchmesser zur Verfügung.
Als Kamera dient inzwischen eine EOS 60Da, deren Liveview-Funktion  das Fokussieren und die Positionierung erheblich erleichtert.

   Balkonsternwarte im Jahr 2016